Montag, 15. Juni 2026

AnyTone AT-D878UVII V2 PLUS - Teil 2

Was ich von der AnyTone Codeplug-Software (CPS) halte, hatte ich im vorherigen Beitrag schon zum Ausdruck gebracht. Außerdem bin ich Linux-Nutzer und weiche nur im Notfall auf Windows aus. Deshalb hatte ich mich schon seit längerem mit qdmr beschäftigt. Mittlerweile hat diese freie Software einen hohen Reifegrad und läuft gut unter Linux. Hervorzuheben ist die automatische Vervollständigung von Relais-Eingaben über den Relais-Namen. Dazu wird im Hintergrund bei https://radioid.net, https://www.repeaterbook.com und https://repeatermap.de gesucht und Treffer werden vorgeschlagen bzw. nach Auswahl werden die Daten automatisch in die Felder eingesetzt. Damit lassen sich zügig und fehlerarm Kanäle erfassen. Leider haben die beiden letztgenannten vor einigen Monaten den Zugriff auf ihre APIs eingeschränkt, so dass zur Nutzung ein individueller Access-Token beantragt werden muss. Von Repeatermap erhielt ich den recht zügig und hatte noch einen netten Mail-Verkehr mit dem Betreiber (Martin, DK3ML), da ich der erste war, der einen Token beantragt hat. Von Repeaterbook ist der Token verweigert worden mit dem Hinweis, dass qdmr zwischenzeitlich eine sogenannte "approved app" sei und ich den Token nochmals hier beantragen soll.

Für die Entscheidung der API-Betreiber, einen Access-Token einzuführen, habe ich Verständnis. Leider gibt es im Internet zu viele Trittbrett-Fahrer, die freies geistiges Eigentum / Arbeit anderer für sich nutzen und ggf. noch vermarkten.

Das Problem mit dem API-Token bei Repeaterbook betrifft auch eine Software, die ich für OpenGD77 geschrieben hatte. Dort ist es mir aber gelungen, einen Access-Token zu bekommen. Das führte zum Entschluss, eine Software zur Erzeugung von qdmr-Kanälen und -Zonen zu entwickeln. Das hat zusätzlich den Vorteil, dass Kanäle in qdmr nicht mehr manuell erfasst werden müssen. Die Lernkurve, um kompatible qdmr-Daten (YAML) zu erzeugen war steil, aber ein Prototyp funktioniert jetzt. Wenn der hinreichend stabil ist, werde ich die Software auch auf Github veröffentlichen. Jeder Nutzer muss allerdings einen separaten Access-Token bei Repeaterbook beantragen.

Jetzt kann ich jedenfalls nach eigenen Vorstellungen den Codeplug für mein AnyTone erzeugen. Das läuft über Abfragen bei Repeaterbook mit Filtern für Standort, Umkreis, Frequenzband (2m, 70cm) und Modulationsart (FM, DMR). Zusätzlich werden Kanallisten im OpenGD77-Format mit verarbeitet für Direktfrequenzen und Hotspots, die in Repeaterbook nicht zu finden sind. Eine weitere Zone für Seefunk konnte ich einrichten, das AnyTone ist mit den aktuellen Frequenzbändern auch in der Lage auf Seefunk-Kanälen zu senden (nur für den Notfall, versteht sich).

So allmählich werde ich warm mit der Bedienung des AnyTone, trotzdem ist OpenGD77 in Bereich Bedienbarkeit mein Favorit.

Bleibt ein weiterer Kritikpunkt am Gerät: Die extrem leise Modulation. Im Einstellungsmenü lässt sich die Mikrofonverstärkung zwar in 5 Stufen einstellen, aber selbst in der höchsten Stufe ist die Modulation zu leise. Nach längerer Recherche im Internet bin ich auf eine Seite mit Tipps und Tricks zum AnyTone gestoßen. Dort wird das Menü für einen erweiterten Test und Einstellungen beschrieben, das mich weiter gebracht hat. Dort stand bei meinem Gerät im Kanal 65 der Wert 166, der eigentlich nicht einstellbar ist.

Kanal 65 mit irritierendem Mic-Gain-Wert

Nachdem ich mit dem Drehregler einen anderen Wert (0 – 63 ist möglich) eingestellt hatte, hat sich das Lautstärke Problem erheblich entschärft. Die Mic-Einstellung Level 5 muss ich trotzdem beibehalten, alles andere wäre zu leise und noch etwas mehr Lautstärke wäre wünschenswert. Aber ich hoffe, damit kann ich das Gerät erst einmal nutzen. Ich bin gespannt auf die Rückmeldungen meiner QSO-Partner.

Samstag, 6. Juni 2026

AnyTone AT-D878UVII V2 PLUS Neuanschaffung

Seit Ende April liegt ein gebrauchtes Handfunkgerät AnyTone AT-D878UVII V2 PLUS bei mir im Shack und wartet auf Programmierung. Aber der Reihe nach. 

AT-D878UVII V2 PLUS
Meine bisherigen DMR-Funkgeräte basieren alle auf OpenGD77 und mit der Firmware bin ich nach wie vor hoch zufrieden. Doch seit einiger Zeit suche ich ein Gerät, um legal im Auto während der Fahrt zu funken. § 23 Abs. 1a StVO ist da recht eindeutig. Da ich VOX während der Fahrt meinen QSO-Partnern nicht zumuten mag und auch befürchte, dass durch Fahrgeräusche gesendet wird, fällt das flach. Drahtlose Headsets im Ohr gefallen mir auch nicht, deshalb ist mein Ziel, die Kopplung mit der Freisprecheinrichtung im Fahrzeug. Das hat auch den Vorteil, dass die eingebauten Lautsprecher und das Mikrofon des Fahrzeugs verwendet werden und keine Einbauten notwendig sind.

Es gab ein interessantes Projekt (bt-trx) von DC1MIL und DL1COM, die einen Adapter entwickelt haben, um beliebige Funkgeräte über Analoganschlüsse mit dem Fahrzeug zu koppeln. Neben AD-/DA-Wandlern gehört eine Bluetooth-Schnittstelle mit HFP-Protokoll dazu. Leider ist der verbaute Bluetooth-Chip mittlerweile aufgekündigt und nicht mehr im Markt verfügbar. Es gibt zwar Nachfolgechips, aber offensichtlich ist niemand bereit oder fähig, das Projekt entsprechend anzupassen (Hardware-Design, Firmware-Anpassung). Mir ist es gelungen, ein Gebrauchtexemplar zu kaufen. Das konnte ich zwar erfolgreich mit dem Autoradio koppeln, aber die Lautsprecher bleiben stumm und auch modulieren kann ich nicht. Bei Messungen auf der Platine bin ich zum Schluss gekommen, dass genau der nicht mehr lieferbare Chip wohl defekt ist. Also Schrott bzw. Ersatzteile für die Bastelkiste.

Im Frühjahr hat dann ein OM in unserem OV sein AnyTone Handfunkgerät erfolgreich mit seinem Autoradio gekoppelt. Das war der Auslöser für mich, statt Adapter gleich ein ganzes Funkgerät mit Bluetooth zu erwerben. Leider habe ich die Kombination Bluetooth und OpenGD77 im (Gebraucht-)Markt nicht gefunden und so ist es ein AnyTone geworden, mit der Folge, dass ich mich in AnyTone-Firmware einarbeiten muss. Das hatte ich mir leichter vorgestellt, es folgte ein kleiner Kulturschock, da die Firmware aus Amateurfunk-Sicht unnötig komplex ist. Als Starthilfe stand mir ein Codeplug aus unserem C23-OV zur Verfügung (Danke an Bernd, DL1ZAP).

Die Codeplug-Software von AnyTone ist die nächste Zumutung. Läuft nur unter Windows (wie bei allen Mitbewerbern) und präsentiert eine Benutzerschnittstelle, wie sie unter Windows vor 20 Jahren mal aktuell war. Die Menge an Fenstern und Optionen ist unübersichtlich und erschlägt mich förmlich. Der OV-Codeplug ließ sich problemlos laden, die Überraschung kam dann beim Schreiben auf das Gerät: Abbruch wg. falschen Frequenzbereichen. Die Frequenzbereiche passten aber und nach Recherche im Internet dann die Lösung: Der gesamte Codeplug muss im CSV-Format exportiert werden, dann erst einmal einen (leeren) Codeplug vom Gerät einlesen und dann die CSV-Daten wieder einlesen und dann kann alles auf das Gerät geschrieben werden ohne Fehlermeldung. Offensichtlich ist die Software recht empfindlich gegenüber Firmware-Differenzen (bei mir ist V4.00 installiert). Mit dem so betriebsfähigen Gerät konnte ich dann erfolgreich die Kopplung mit dem Autoradio erstellen. Mit im Lieferumfang war eine Bluetooth-PTT, die noch angelernt werden musste und die jetzt per Klettband am Lenkrad befestigt ist. Ich bin gespannt auf die ersten QSOs und Rückmeldungen bzgl. Modulation.

Dann die nächste Überraschung. Durch OpenGD77 bin ich es gewohnt, Zonen, Relais, Talkgroups (TGs) und Timeslot (TS) per Drehregler bzw. Tastendruck schnell zu verstellen. Die (verkürzte) TG-Liste kann je Kanal im Codeplug zugewiesen werden und man kann die bevorzugten TGs schnell durchklicken, der TS wird mit „*“ umgeschaltet. Beim AnyTone funktioniert das nur mit den Zonen und Relais, der TG-Wechsel (bei mir P2) führt immer zur gesamten TG-Liste und muss mit mehreren Klicks vollzogen werden. Gleiches gilt für den TS-Wechsel. Deshalb hat der Autor des OV-Codeplugs in den Kanälen feste TGs und TS programmiert und die TG sowie TS mit in der Relaisbezeichnung aufgeführt. Das erhöht die Kanaleinträge beträchtlich, da jetzt das Produkt aus benötigten TGs, TS und Kanälen abgespeichert werden muss.

Alternativ kann man beim AnyTone die bevorzugten TGs (also Kontaktgruppen) auch an den Anfang der Liste setzen und die häufigsten privaten Kontakte an das Ende der Liste. Dann ist man beim Scrollen in der Liste jeweils schnell am Ziel und kann die mehrfach abgespeicherten Kanäle vermeiden. Die TS-Umschaltung lässt sich auf eine Taste (z.B. PF1) legen. Das ist der Punkt, wo der Wunsch nach einem selbst erstellten Codeplug aufkommt.

Fortsetzung folgt.



Donnerstag, 26. Februar 2026

Weiterer DMR Zugang: Retevis RT90

Da ich mit meinen beiden DMR-Geräten, die mit OpenGD77 laufen, zufrieden bin, war ich auf der Suche nach einem Stations-/Mobilgerät für DMR. Idealerweise sollte es auch mit OpenGD77 laufen, damit ich nur einen Codeplug für alle DMR-Geräte pflegen muss. Da blieb eigentlich nur das Retevis  RT90 bzw. das baugleiche TYT/Tytera MD-9600 Dual Band. Der Suchauftrag bei Kleinanzeigen.de für ein Gebrauchtgerät wurde endlich fündig und auch der Preis war nach einiger Zeit interessant. Nach kurzem Nachrichtenaustausch auf der Plattform waren wir uns einig und heute kam das Gerät mit der Post an.

OpenGD77 war statt der Orignalfirmware  schon installiert und so konnte ich sofort meinen Codeplug aufspielen und testen. Alles funktioniert wie erwartet. Trotzdem habe ich die Firmware auf die neuste Beta aktualisiert und auch ein deutsches Sprachmodul mit installiert.

Retevis RT90 mit OpenGD77

Nach einem ersten QSO mit einem Funkfreund wurde die Modulation als gut beurteilt. Der kleine Lüfter auf der Rückseite läuft automatisch beim Senden an und ist nicht gerade leise. Beim Empfang bleibt der Lüfter aber ausgeschaltet. Trotz QSO mit 40 W Ausgangsleistung wurde das Gerät nicht warm. Vielleicht finde ich auch noch eine Lüftersteuerung, so dass der Lüfter beim Senden geregelt wird. Wird fortgesetzt.